Go Global: Digitalisierung made in China

Die als BAT bezeichneten Unternehmen ‚Baidu‘, ‚Alibaba‘ und ‚Tencent‘ gelten als Chinas Internet-Giganten und machen auch vor der Digitalisierung der westlichen Welt nicht mehr Halt. Am ‚Center for Strategic and International Studies (CSIS)‘ in Washington diskutierten vergangene Woche Repräsentanten chinesischer Firmen über Innovation und Digitalisierung, insbesondere über die Zukunft der BAT und weiterer Unternehmen auf dem Weltmarkt. Wesentliche Highlights aus der Runde habe ich für Sie zusammengefasst und mit eigenen Erläuterungen ergänzt.

Sam Sacks, die Autorin des kürzlich erschienenen Berichts über ‚Disruptors, Innovators and Thiefs‘ (disruptive, innovative chinesische Unternehmen, die aber auch kopieren und Ideen klauen), moderierte die Runde aus Kaiser Kio (Baidu, Former Director of International Communication; Sinica Podcast, Co-Founder), Hans Tung (GGV Capital, Managing Partner), Ding Xianfeng (Alibaba, Chief Scientist IoT) David London (Ofo, Senior Director) und Paul Triolo (Eurasia, Geotechnology).

Zunächst wurde erläutert, dass das ‚Internet of Things‘ (IoT) als das zentrale Nervensystem der Digitalisierung zu verstehen ist. IoT verknüpft demnach die verschiedenen Disziplinen wie Internet, künstlicher Intelligenz (KI/AI) oder Cloud-Computing. Gegenstände aus der physischen Welt, die generell nichts mit einander zu tun haben, werden befähigt miteinander zu kommunizieren. Beispielsweise lernt der der Kühlschrank über IoT wann die Milch leer ist und kann neue Milch online nachbestellen. In der physischen Welt waren derartigen Verbindungen bislang voneinander losgelöst. Laut Ding Xianfeng ist es die Fülle neuer Daten, die das künftige Wachstum der digitalen Wirtschaft ausmacht.

Kaiser Kuo, ehemals Mitarbeiter von Baidu – dem chinesischen Pendant der Google-Suche – stellte in der Runde den Wert generierter Daten dar. So seien die Daten, wie sie von Alibaba generiert werden wertvoller, als die bloßen Daten einer Suchmaschine. Diese Aussage sollte jedoch nicht unterschätzt werden: Zu Baidu gehört neben dem Suchdienst Baidu Search auch Baidu Cloud, Baidu Brain (AI), Baidu Music, und viele weitere Dienste im Bereich der Digitalisierung. Kaiser Kuo betonte weiter, dass das Geschäft für Baidu 2010 schon fast zu einfach wurde, nachdem sich Google aus dem chinesischen Markt zurückzog. Weiter habe Baidu wenig gemeinsam mit den Entwicklungen, die man bei Alibaba oder Tencent sehen kann. Vor allem aus dem Grund, dass Baidu ein reiner IT-Dienstleister ist und keine Firma, die Konsumgüter produziert oder operative Dienstleistungen anbietet. Daher wurden auch Trends wie ‚Mobile Payment‘ verschlafen. Dennoch hat sich Baidu seit 2011 wieder nach vorne gearbeitet und ist nun führend in den Bereichen Künstliche Intelligenz oder ‚Deep Learning‘.

David London arbeitet bei Ofo, einem Bike-Sharing Anbieter aus Peking. Ofo entwuchs der Idee, Studenten eine Möglichkeit zu geben, sich mit dem Rad über den Campus zu bewegen. Das Unternehmen wuchs jedoch schnell darüber hinaus, brachte sein Konzept auf 200 weitere Universitäten und machte es dann für jedermann zugänglich. Ofo gilt als eines der ersten Start-ups, die über China hinaus wesentliche Erfolge erzielen. Bislang galt für die meisten chinesischen IT-Firmen, dass sie entweder in oder außerhalb Chinas Erfolge erzielen konnten. Beides schien für die meisten Firmen außer Reichweite. Gründe dafür sind unter anderem regulatorischer, aber auch kultureller Natur. Hinzu kam, dass viele Firmen bislang geringes Interesse an einer globalen Expansion hatten. Dies ändert sich jedoch derzeit, da eine neue Generation an Unternehmern heranwächst. So hatten sich die Gründer von Ofo bereits von Beginn an einen Unternehmensnamen ausgesucht, der auch global vertretbar ist.

Alibaba, Chinas eCommerce-Riese, hat auf nationaler Ebene mittlerweile eine weitgehende Marktsättigung erreicht. Die Globalisierung gilt daher als logischer nächster Schritt. Seit letztem Jahr ist Alibaba auch in Deutschland vertreten, mit Sitz in der bayerischen Landeshauptstadt München. Chinesische Touristen können bereits in einigen Geschäften in Deutschland, darunter auch eine Drogeriekette, mit dem Bezahldienst Alipay online per QR-Code über ihr Smartphone bezahlen. Die Digitalisierung im Bereich des Mobile Payments wird somit für Alibaba länderübergreifend. Weitergehend setzt Alibaba darauf seine Clouddienste im europäischen Markt zu platzieren und versichert, dass die Daten nur im Rahmen der nationalen Datenschutzrichtlinien der jeweiligen Länder verarbeiten werden.

Eine wesentliche Frage – nach dem regulatorischen Rahmen in China – bleibt jedoch auch in dieser Runde noch offen und somit auch weiterhin allgemein umstritten. Zuletzt erhitzte vor allem das chinesische ‘Cyber Security Gesetz’ die Gemüter. Die Diskussionsteilnehmer zeigten jedoch großes Interesse an einem künftigen chinesischen Gesetzesrahmen, der vor allem global interoperabel bleibt. Dass diese Haltung seitens chinesischer Unternehmen jedoch nicht in allen Sektoren gilt, erfahren Sie auch in meinem Buch über Normung in China.

Die Diskussionsrunde in voller Länger finden Sie auch auf der Seite des CSIS.