Roboter aus China, die Arbeiter für Europa?

Roboter aus China, die Arbeiter für Europa?

4. Februar 2019 Alle Kategorien Beratung Publikationen 0

Marktführer der „neuen“ Arbeitskräfte

– Ein Artikel von Dr. Sabrina Weithmann, erschienen in der Asia Bridge 2-2019 sowie den Nachrichten für den Außenhandel – Märkte der Welt Nr. 007.

China ist bereits seit Längerem nicht mehr der Marktführer bei billigen Arbeitskräften, stattdessen jedoch der Marktführer der „neuen“ Arbeitskräfte: Die chinesische Industrie- und Servicerobotik gewinnt zunehmend an Dynamik. Weltweit erhöht sich bis 2020 der Bestand an Industrierobotern auf über 3 Millionen Einheiten. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beträgt 14% (2018–2020). Laut dem „World Robotics Report“

2018 der International Federation of Robotics (IFR) entfallen 74% des Gesamtumsatzes aller Industrieroboter auf die fünf Länder China, Südkorea, Japan, die USA und Deutschland. Die Volksrepublik hat ihre führende Position als größter Markt mit einem Anteil von 36% (2017) deutlich ausgebaut.

Entwicklung und Förderung der Robotik

Zumeist werden moderne Zukunftsindustrien in China in einem Atemzug mit dem Industrieplan „Made in China 2025“ (MIC 2025) genannt. Diese Roadmap umfasst verschiedene Zukunftsbereiche, die vom Staat intensiv gefördert werden. Dazu gehört auch die Robotik, insbesondere in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Neben dem MIC 2025 hat die Regierung 2016 den „Robotics Industry Development Plan“ (2016–2020) ins Leben gerufen. Laut Plan sollen bis 2020 jährlich 100.000 Industrieroboter mit einheimischen Technologien hergestellt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Roboteranwendungen für eine breite Palette von Bereichen wie Internet der Dinge (IoT), Robotik, intelligente Anlagesysteme oder Cloud Computing gefördert und ausländische Investitionen angelockt. Zudem fördern auch Provinzen und Städte die Einführung und den Ausbau von IT in vielen Tausend Unternehmen mit hohen Investitionsbeträgen. Neben den Investitionen im eigenen Land verfolgt die chinesische Regierung auch den Plan, ausländische Unternehmen aufzukaufen. Dass dies bereits in vollem Gange ist, hat man in Deutschland vor allem durch den Kauf des Augsburger Roboterhersteller Kuka mitbekommen. Dieser wurde Anfang 2017 vom chinesischen Kuka-Großaktionär und Haushaltsgerätehersteller Midea zu rund 95% aufgekauft. Damit gehört Midea zusammen mit Roboterherstellern wie Fanuc, ABB und Yaskawa zu den Top-Unternehmen auf dem weltweiten Robotermarkt.

Der weltgrößte Robotermarkt

Die Volksrepublik ist laut der IFR seit Jahren der größte Robotermarkt und wächst zudem am schnellsten. Neben regionalen Clustern gibt es in China über 40 Robotik-fokussierte Industrieparks, die von staatlichen Ressourcen und Anreizen zur Förderung der Industrie profitieren. In den vergangenen Jahren sind so mehr als 3.000 Robotikfirmen entstanden, viele jedoch auf Basis staatlicher Subventionen. Daher wird wiederum eine Konsolidierung mit wenigen verbleibenden, aber dominierenden Unternehmen erwartet.

Zu den wichtigsten chinesischen Unternehmen in der Robotik-Industrie gehören neben Midea Siasun, Efort, GSK oder auch DJI Innovations. Und auch der taiwanesische Elektronikgigant Foxconn zählt zu den größten Robotik-Firmen. Das Wachstum chinesischer Hersteller führt zu zunehmendem Wettbewerb und somit auch langfristig zu stärkerem Kostendruck.

Dennoch kommen in China nach wie vor wenige Industrieroboter zum Einsatz. Als Indikator für die Intensität
der Nutzung von Industrierobotern in einer Branche oder einem Land dient häufig die Roboterdichte. Dieser Indikator bezeichnet das Verhältnis der Anzahl von Robotern zu 10.000 Beschäftigten. Laut IFR führt Südkorea mit einem Verhältnis von 710 Robotern auf 10.000 Arbeiter. Es folgen Singapur (658), Deutschland an dritter Stelle (322), Japan (308), Schweden (240) und die USA (200). China (97) liegt auf Platz 21. Zwischen den USA und China sind weitere europäische Länder sowie Kanada. Der chinesischer Wert der Roboterdichte zeigt, dass fortschrittliche Werkshallen zwar keine absoluten Ausnahmen mehr sind, aber dennoch ist ein
bedeutender Anteil der chinesischen Fertigung nach wie vor begrenzt automatisiert oder digitalisiert.

Trends und Auswirkungen für deutsche Unternehmen

Die Übernahme von Kuka war für den Wirtschaftsstandort Deutschland durchaus prägend und ist hierzulande sicherlich das prominenteste Beispiel für Chinas weitreichende Ambitionen. Zuletzt hat der vorzeitige Weggang des Vorstandschefs von Kuka, Till Reuter, im Dezember für Aufmerksamkeit gesorgt
und neue Diskussionen um chinesische Übernahmen in Fokusindustrien entfacht. Unabhängig des Fortgangs von Till Reuter soll die Vereinbarungen zum Schutz der Daten von Geschäftspartnern weiterhin wie vereinbart bis 2023 bestehen bleiben. Dennoch hört man zunehmend Stimmen des Misstrauens gegenüber den chinesischen Eignern.

Hauptabnehmer der Industrieroboter in Deutschland ist die Autoindustrie mit circa 60% aller Roboter im Fahrzeugbau. Viele greifen derzeit auf Kuka zurück. Jedoch kennen Roboter bald alle Handgriffe eines Produktionsprozesses sowie Produktionszahlen, können einsehen, welche Griffe sich gegenüber alten Modellen verändern oder welche Programmierung angewandt wird. Je vernetzter, desto höher auch die
Einblicke des einzelnen Roboters im Kontext des automatisierten Systems. Dieses Wissen an den chinesischen Eigner zu übermitteln, davor schaudert es den deutschen Unternehmen und einige scheinen auf der Suche nach einem neuen Partner, spätestens bis 2023.

Weitergehend lassen sich aktuell folgende Trends undAuswirkungen vermuten:

Trend 1 – Einsatzgebiete für Robotik: Die Entwicklungen des „second machine age“, wie autonomes Fahren oder allgemein der „autonomen Robotik“, werden auch den Einsatz von Robotern in Bereich der Service-Dienstleistungen, der Servicerobotik, revolutionieren. Das gilt sowohl für den gewerblichen
Bereich wie chirurgische Eingriffe, Wartungs- und Inspektionsarbeiten, der Bewirtschaftung landwirtschaftliche Flächen und vielem mehr als auch für den privaten Bereich, wie die Ausführung von Hausarbeiten. Zwischen 2020 und 2025 soll die Servicerobotik die Industrierobotik hinsichtlich des weltweiten Marktvolumens eingeholt haben. Als wesentliche Treiber für den intensiveren Einsatz von Robotern gilt beispielsweise die extreme Überalterung der chinesischen Bevölkerung und somit der Einsatz von Robotern in der Alten- und Krankenpflege. Während deutsche Unternehmen die Industrierobotik dominieren, muss das Engagement in der Servicerobotik noch intensiviert werden.

Trend 2 – Veränderung der Produktionswelt: Ausgehend von der Roboterdichte lässt sich auch auf die Wahrscheinlichkeit schließen, ob KMUs ihre Produktionsstätten ins Ausland verlagern. In Deutschland geht man daher von einer „Rückwanderung“ der Industrie aus Billiglohnländern aus, was häufig als die „Roboter Revolution“ bezeichnet wird. Weiß man, dass ein Großteil der Roboter künftig aus China kommen
werden, bedeutet das eine Mitnahme der „neuen“ Arbeitskräfte aus China an den hiesigen Produktionsstandort.

Trend 3 – Industrie- und Forschungskooperationen: Die Verflechtung deutscher Unternehmen mit dem chinesischen Markt werden zunehmend zu Kooperationen in der Robotik führen. Beispielsweise hat Midea 2015 mit Yaskawa bereits zwei Joint-Venture gebildet, eines zur Entwicklung von Servicerobotern und eines für Industrieroboter. Ein anderes Beispiel ist Siemens. Der Konzern richtet zusammen mit der Tsinghua University in Beijing ein Robotics Center ein. Aktuell überschatten jedoch Unsicherheiten und Misstrauen über Transparenz im Technologie- und Know-how-Transfer oder der Schutz von Daten die uneingeschränkte Zusammenarbeit zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen.

Deutschland liegt heute noch auf Platz drei in der Robotikdichte, jedoch gilt dies für die Industrierobotik. Das
Wachstumspotenzial der Servicerobotik wird derzeit vor allem von Unternehmen aus Japan, Südkorea und zunehmend China genutzt. In Anbetracht der verschiedenen Trends könnte sich langfristig die Konzentration auf Industrieroboter als schwierig herausstellen.

Unklar, ob das Auswirkungen auf Ihre Unternehmensstrategie hat?

 

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